Gelegentlich hört man von Beschwerden über die Feuerwehr, weil diese zu „nächtlicher Stunde mit lauten Sirenen durch den Ort rasen“ und ob das denn unbedingt sein müsse. Auch in Zeven gab es schon eine freundliche Anfrage zur Notwendigkeit des nächtlichen Lärms. Natürlich können wir das verstehen, dass man Nachts nicht gerne geweckt wird. Auch wir Feuerwehrleute sind Freunde der Nachtruhe und auch auf uns wartet der unerbittliche Wecker im Morgengrauen und läutet einen neuen Werktag ein – denn Feuerwehr ist für uns nur ein ehrenamtliches „Hobby“, welches wir neben unseren Berufen ausüben.

 

Wir möchten aber gerne einen kleinen Einblick gewähren, um vielleicht Verständnis für unseren nächtlichen Radau zu erlangen. Dazu setzen wir Sie auf den Fahrersitz des Feuerwehrfahrzeuges und übertragen Ihnen die Aufgabe des sogenannten Maschinisten.

 

Da wir alles Kameradinnen und Kameraden und Mitglieder eines tollen Teams bei der Feuerwehr sind, „duzen“ wir uns zunächst einmal. Bevor Du nun das Fahrzeug fahren darfst liegt folgendes hinter Dir:

 

  • der erfolgreiche Abschluss der Feuerwehr-Grundausbildung, der sogenannten Truppmannausbildung,
  • mehrjährige Erfahrung im Feuerwehrdienst, dabei viele Übungs- und Einsatzstunden,
  • der erfolgreiche Abschluss des Maschinistenlehrganges, bei dem Du u.a. den Umgang mit dem technischen Gerät erlernt hast, Pumpendrücke und Wasserförderhöhen und -strecken usw. berechnen kannst,
  • der Erwerb der Fahrerlaubnisklasse C und möglichst ein Fahrsicherheitstraining für Lkw,
  • eine intensive Einweisung auf das Fahrzeug und seiner Ausstattung sowie zahlreiche Übungsdienste mit dem Fahrzeug.

 

Nachdem das alles erledigt ist und man das Fahrzeug sicher führen und bedienen kann, erhält man die Freigabe für Einsatzfahrten mit Sonderrechten.

 

Eines Nachts schrillt nun der digitale Meldeempfänger und reißt einen aus den Träumen – ein Gebäudebrand! Schnell springst Du aus dem Bett, ziehst Du Dir etwas an ohne wählerisch zu sein und fährst zum Feuerwehrhaus. Dir gehen Gedanken durch den Kopf, was Dich wohl erwarten mag. Am Feuerwehrhaus springst Du in die Einsatzbekleidung und gehst in die Fahrzeughalle. Der Maschinistenplatz eines Löschgruppenfahrzeuges ist noch frei, also nimmst Du Dich dieser Aufgabe an.

 

Du setzt Dich auf den Fahrersitz, während sich das Fahrzeug weiter mit Besatzung füllt. Die Türen werden zugeschlagen und der Gruppenführer auf dem Beifahrersitz gibt das Kommando zur Abfahrt. Der Motor heult auf, Du schaltest das Blaulicht ein und fährst in die Nacht. Über Funk erfährst Du, dass womöglich Menschenleben in Gefahr sein könnten.

 

Dir gehen Gedanken durch den Kopf:

  • Du bist alleine dafür verantwortlich, dass die Besatzung von insgesamt neun Personen sicher ankommt,
  • Du bist dafür verantwortlich, dass das Fahrzeug mit seiner leistungsfähigen Pumpe, seiner Technik und der gut ausgebildeten Besatzung schnell die Menschenrettung oder Brandbekämpfung aufnehmen kann,
  • Du bist dafür verantwortlich, das tonnenschwere Fahrzeug ohne Zwischenfälle oder gar Unfälle in einer außergewöhnlichen Fahrsituation zu steuern,
  • Du bist dafür verantwortlich den regulären Verkehr und Passanten nicht zu gefährden…

 

Die Sonderrechte im Straßenverkehr gelten allerdings nur, wenn neben dem Blaulicht auch das Martinhorn eingeschaltet ist. Ein Blaulicht allein wäre nur eine Warneinrichtung. Als Fahrer kannst nur Du entscheiden, in bestimmten Situationen das Martinhorn auszuschalten – aber Du trägst die volle Verantwortung. Du kannst insbesondere im Innenstadtbereich nicht alles einsehen, ob z.B. eine Ampel rot oder grün ist, weil sie noch hinter einer Kurve liegt. Ist die Ampel rot und Du schaltest die Sirene erst kurz davor ein, reicht die Vorwarnzeit für querende Fahrzeuge vielleicht nicht mehr. Aus der Perspektive des anderen Verkehrsteilnehmers kennen wir vielleicht die Situation, dass die Ampel grün wird und man hören kann, wie sich ein Fahrzeug mit Sirene nähert. Man tastet sich vorsichtig voran, bis man weiß, woher das Einsatzfahrzeug kommt und wohin es fahren will. Eine lange „Ankündigungszeit“ ist also sinnvoll und notwendig – vor allem aber sicher.

 

Es geht also nicht um das Erhaschen von Aufmerksamkeit und wir „rasen“ auch nicht zur Einsatzstelle. Es geht um den Spagat von Geschwindigkeit und Sicherheit. Manchmal geht es um Menschenleben, immer geht es wenigstens um Gefahrenabwehr. Zu Einsätzen ohne Gefährdung für Mensch und Umwelt fahren wir wie jeder andere auch – langsam und leise… 

 

Bei Fragen oder gar Unmut ist es aber immer gut, sich direkt an die Feuerwehr zu wenden und sich Dinge erklären zu lassen oder einfach nur mal was loszuwerden. 

 

Willst Du wirklich einmal ein Feuerwehrfahrzeug zur Einsatzstelle fahren, dann komm doch einfach mal vorbei. In unserem Team ist noch Platz für Dich.

  

Wir danken Christian Eckhoff – Mediacheck für die tolle Unterstützung mit dem Film.